26.07.2019

Shitstorm! Diese Drei Videos sorgten weltweit für Empörung

Online-Videos erreichen heute Menschen weltweit! Deshalb sollte man sich vorher genau überlegen, wie man sein Produkt vermarkten will und ob der eigene "Humor" im Ausland wirklich für Lacher sorgt oder nicht eher für Wut und Empörung. Nicht jedes Video, das als rassitisch empfunden wird, war auch von den Machern rassistisch gemeint, aber: interkulturelles Feingefühl ist nun mal das A und O in unserer globalisierten Gesellschaft. Und manche "Witze", das sollte einem der gesunde Menschenverstand sagen, sind einfach ein absolutes no go! 

 

StoryUp stellt drei Videos vor die zeigen: so not! 

 

#1 So roch der Frühling……

 

Bzw. So stank er. Denn die Hornbach-Frühjahrskampagne stank für viele Verbraucher bis zum Himmel. Doch der Reihe nach. Darum ging es: schwitzende Männer um die 60 mit dicken, haarigen Bäuchen und strubbeligen Bärten, verrichten grunzend und stöhnend schwere Gartenarbeit. Schließlich lassen sie die Hüllen fallen und übergeben ihre verdreckten Klamotten, inklusive Unterhosen (!), zwei Herren in weißen Kitteln. Die verschwitzte Kleidung wird einzeln in luftdichte Tüten eingeschweißt. Szenenwechsel. In einer düster wirkenden Großstadt, vielleicht Tokio oder Seoul? zieht eine ostasiatisch aussehenden junge Frau, eine der verschweißten Tüten aus einem Automaten,  reißt sie auf, schnüffelt gierig an ihrem Inhalt - und verdreht dann in ekstatischer Verzückung die Augen. Slogan: So riecht das Frühjahr!

Typisch Hornbach! Ein Spot, der ironisch mit den Klischees rauher Männlichkeit spielt  - und diesmal auch mit dem Klischee, dass Männer in den Megastädten Asiens angeblich gerne gebrauchte Damenhöschen aus Automaten kaufen, um sich daran erotisch zu berauschen. Bei Hornbach ist es umgekehrt: kein Mann kauft die Wäsche, sondern eine Frau. Ist das hier also ein Spot, der die Geschlechterrollen flapsig vertauscht? Viele in Deutschland lebende Asiatinnen oder Frauen mit asiatischen Wurzeln, sahen das ganz anders. Ihr Vorwurf an Hornbach: Rassismus! Denn die Darstellung einer Asiatin, die genießerisch an den Unterhosen ungepflegter weißer Männer schnuppert, bediene  Stereotype und sexuelle Vorurteile gegenüber asiatischen Frauen. Im Internet wurden wütende Petitionen gegen Hornbach gestartet - vor allem von in Deutschland lebenden Japanerinnen und Südkoreanerinnen. Schließlich schalteten sich sogar die Botschaften von Japan und Südkorea ein und nannten die Hornbach-Frühjahrswerbung klipp und klar: rassistisch. Auch die ausländische Onlinepresse griff die Debatte auf. Und Hornbach? Entschuldigte sich zunächst öffentlich, betonte jedoch, dass das Unternehmen mit dem Spot keinerlei rassistische Intentionen zum Ausdruck bringen wolle. Mit der gierig an Gartenarbeits-Männerschweiss-Hosen riechenden Asiatin sei es ihnen lediglich darum gegangen zu zeigen, wie sehr Menschen in den Städten den Bezug zur Natur verloren hätten. “Frühjahrsduft” aus dem Automaten als Kritik an der globalen Urbanisierung? Aha. Der deutsche Werberat fand diese Argumentation nicht so ganz schlüssig. Nach Prüfung der Stellungnahmen von Hornbach und der verantwortlichen Kreativagentur Heimat kam der Werberat zu dem Schluss: dieses Video ist rassistisch! „Das mag für viele Betrachter humorvoll sein, rechtfertigt aber nicht rassistische Klischees“, so eine Sprecherin des Prüfungskomitees. Für Hornbach bedeutete das: neues Video musste her, viel Geld zum Fenster raus geschmissen und obendrein auch noch ein Imageschaden. 


 

Der Youtube-Channel Asian Boss hat die Rassimus-Debatte um Hornbach aufgegriffen und sich einmal umgehört: was denken Japaner in Tokio über das umstrittene Baumarkt-Video? 

 


 

#2 Travelling goes racism

Doch nicht nur Asiaten fühlen sich teilweise in westlichen Werbespots rassistisch dargestellt. Auch asiatische Firmen zeigen hier bisweilen wenig Feingefühl. Ausgerechnet die japanische All Nippon Airways (ANA), eine Fluglinie, die ja per Definition für Völkerverbindung stehen sollte, sorgte in dieser Hinsicht 2014 für großen Unmut und fette Schlagzeilen. Grund war ein Werbevideo, in dem zwei bekannte japanische Schauspieler ANA Piloten mimen, die sich über die weltweite Expansion ihrer Airline unterhalten. Auf Englisch (!) mit japanischen Untertiteln. Der größere Pilot bietet als Zeichen seiner Freude über den Firmenerfolg dem Kleineren eine Umarmung an. Der Kleine guckt nur pikiert, woraufhin der Große genervt meint: “Such a Japanese reaction”, da Japaner im Allgemeinen als verklemmt gelten, wenn es um Körperkontakt geht. Und weiter schlägt er vor: “Let´s change the image of Japanese people!” In der nächsten Einstellung sieht man wieder den kleineren Piloten, der jetzt grinsend eine blonde Perücke und eine lange Fake-Nase trägt und frech grinst: “Sure!!

 

Kaum ging der Spot online, liefen bei ANA auch schon die Telefonleitungen heiß. Nicht mit Buchungsanfragen, sondern mit Beschwerden. Auch auf der Facebook-Seite der Airline ließen westliche User ihrer Wut freien Lauf und kritisierten das Video als rassistisch, weil es das Stereotyp der komisch aussehenden, westlichen Langnasen bediene. Viele  drohten damit, nie mehr mit ANA zu fliegen. Das saß! Die Airline entschuldigte sich zunächst öffentlich - und zog das Video schließlich zurück. Aber war der Spot nun wirklich rassistisch? Wir von der StoryUp-Redaktion finden den Witz von der blonden Langnase vor allem eins: laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahm! 

 

Fairerweise muss man außerdem sagen: auch der umarmungsscheue, verklemmte, kleine Japaner ist ein Stereotyp, das man rassistisch nennen könnte. Weshalb aber reitet ausgerechnet eine Fluglinie wie ANA in ihrem Video auf solchen Klischees rum? Eine internationale Airline sollte da doch, im wahrsten Sinne des Wortes, drüber schweben! Fakt ist: in Japan kommt der Witz mit dem kleinen Japaner und der großen, blonden Langnase immer noch gut an und findet sich in zahlreichen Videos von Toschiba und Co, wie dieser englische Artikel der Japan Times verrät. 

 

#3  Rassismus, der sich gewaschen hat

Wenn die beiden ersten Beispiele noch gewissen Raum für Diskussionen über das Spiel mit Klischees und Stereotypen lassen, müssen wir bei unserem nächsten Video ganz klar sagen: das ist Rassismus! 

In dem 2016 veröffentlichten Spot des chinesischen Waschmittels Qiaobi sehen wir zunächst eine junge Chinesin, die mit einem dunkelhäutigen Mann “anbändelt”. Plötzlich schiebt die Frau dem Mann ein Waschmittel-Tab in den Mund und stopft ihn mit Gewalt in eine Waschtrommel. Man hört noch so etwas wie Hilferufe, dann öffnet die Frau die Trommel und heraus kommt: ein weißhäutiger junger Chinese. Die Frau ist entzückt. Die Weltöffentlichkeit: not!

 

Vorbild dieses rassistischen Videos war übrigens ein bereits älterer und ebenso geschmackloser italienischer Color-Waschmittel-Spot, der genau umgekehrt funktionierte. Eine Frau steckt einen hellhäutigen Mann in die Maschine und holt ihn als muskulösen, dunkelhäutigen Mann wieder raus. 

Während in China der Waschmittel-Spot kaum Beachtung fand, landete das Video irgendwann auf einer englischen Seite, verbreitete  sich online weltweit als negative Viral und sorgte für riesige Empörung in den sozialen Netzwerken. In China blieb die große Diskussion dennoch aus. Auch wenn das Reich der Mitte offiziell 56 verschiedene Minderheitengruppen zählt, ist Rassismus ein Thema, das in der chinesischen Öffentlichkeit  kaum thematisiert wird. Auf Druck der weltweiten Welle der Kritik sah die Waschmittelfirma sich dennoch gezwungen, Stellung zu nehmen - und stritt jeglichen Vorwurf des Rassismus ab. Die Diskriminierung, so das offizielle Statement, existiere einzig und allein im Auge des Betrachters. Öh...ja….is klar….



 

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